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Toleranzen unter die Lupe genommen

Die Bearbeitungsstatistiken der Ingenieure der Abteilung ‚Technische Gutachten und Beratung‘ des WTB zeigen, dass Fragen bezüglich Optik und Maßtoleranzen am Bau 1/6 der Gesamtzahl der geleisteten Beratungen ausmachen (siehe Schema). Aufgrund dieser Tatsache und damit die in diesem Bereich fehlende Klarheit aufgreifend, haben wir uns entschlossen, die erste Ausgabe des Jahres dem Thema Maßtoleranzen und den optischen Kriterien von Bauwerken zu widmen.
Prozentsatz der Beratungen, die durch die Abteilung  ‚Technische Gutachten und Beratung’ erfolgte (im Zeitraum 2000-2009).
Prozentsatz der Beratungen, die durch die Abteilung ‚Technische Gutachten und Beratung’ erfolgte (im Zeitraum 2000-2009).

Wozu dienen Toleranzen?

Toleranzen machen es möglich, sich objektiv über die Konformität eines Produkts oder Bauwerks zu äußern. Die Notwendigkeit, Toleranzen zu definieren, geht darauf zurück, dass die absolute Perfektion materialmäßig unmöglich ist. Tatsächlich kann es in jedem Baustadium (z.B. bei der Herstellung, beim Bau, bei der Ausführung und der Verlegung) oder beim Aufmaß zu Ungenauigkeiten und damit zu Abweichungen bei den gewünschten Maßen kommen.

Um ein Produkt oder Bauwerk mit dem gewünschten Ergebnis ausführen zu können, müssen diese Maßabweichungen schon bei der Planung des Gebäudes mit berücksichtigt werden. Die gewünschte Präzision sowie die Messmethoden müssen zu den Baumethoden, den funktionalen und ästhetischen Anforderungen, den Baukosten, der vorgesehenen Nutzung sowie zu den Möglichkeiten der Neuausrichtung von einigen dieser Komponenten im Laufe ihrer Lebensdauer in Bezug gesetzt werden.

Wie werden Toleranzen definiert?

Für bestimmte Produkte und Bauwerke variieren die in den herangezogenen Dokumenten verfügbaren Informationen  (*). Für andere bestehen keine oder nur wenige Kriterien; in diesen Fällen hat die Bewertung nach Abschluss der Arbeiten einen eher subjektiven Charakter.

Um häufig unproduktive Diskussionen nach Fertigstellung der Arbeiten zu vermeiden, ist es sehr empfehlenswert, im Vorfeld die diesbezüglich vom Bauherrn gewünschten Leistungen zu definieren. Im Sonderlastenheft sollten daher ausdrücklich und in eindeutiger Weise die Dokumente genannt werden, auf die Bezug genommen werden muss, um ein Produkt oder eine abgeschlossene Arbeit objektiv bewerten zu können. Dabei reicht die einfache Nennung der Referenzdokumente nicht immer aus, da sie möglicherweise bestimmte Widersprüche enthalten können. Zudem können in einem Dokument manchmal mehrere Toleranzklassen dargestellt werden; in solchen Fällen empfiehlt es sich, die gewünschte Toleranzklasse explizit zu spezifizieren. In diesem Zusammenhang sollten Sätze vom Typ ‚die Arbeiten entsprechen den fachspezifischen Regeln‘ oder ‚die Arbeiten werden gemäß den geltenden Normen durchgeführt‘ natürlich vermieden werden, da sie keinerlei präzise Information über die Anforderungen (zulässige Abweichungen) liefern.

Die Prüfung der Maßabweichungen muss in jedem Baustadium erfolgen und nicht nur nach Beendigung der Arbeiten. Es könnte sich als nützlich erweisen, dass festgelegt wird, unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt diese Kontrollen erfolgen müssen. Die Maße der Bauwerke und ihrer Komponenten sowie deren Optik (wie z.B. der Farbton) können allerdings entsprechend der Umgebungsbedingungen (Temperatur, relative Feuchtigkeit) und dem Alter der Arbeiten zum Zeitpunkt der Kontrolle abweichen.

Aufbau dieser Ausgabe von WTB-Kontakt

Mit dieser Ausgabe von WTB-Kontakt verfolgen wir das Ziel, einen Überblick über die Maßtoleranzen sowie die optischen Kriterien zu vermitteln, die allgemein für Bauarbeiten zulässig sind. Außerdem möchten wir auf bestimmte Punkte aufmerksam machen, um so dabei helfen zu können, mögliche Interpretationsunterschiede (und lange Diskussionen) nach Abschluss der Arbeiten zu vermeiden.

Die vorliegenden Artikel widmen sich je einem Baufachgebiet und beinhalten Informationen über die Toleranzen für jeden speziellen Bereich. Jeder Artikel ist Gegenstand eines Infomerkblatts (meist detaillierter) mit dem gleichen Titel, das auf unserer Webseite erhältlich ist.

Vorab möchten wir aber bestimmte Aspekte erläutern, die eher allgemeiner Natur, aber deswegen aber nicht weniger wichtig sind: Bitte beachten Sie, dass diese Ausgabe nicht alle Toleranzen und optischen Kriterien behandelt, die mit den nachfolgend beschriebenen Baufachgebieten einhergehen. Die erwähnten Fachbereiche und Kriterien wurden von den Ingenieuren der Abteilung ‚Technische Gutachten und Beratung‘ danach ausgewählt, wie oft sie bei ihren Baustellenbesuchen darauf angesprochen und um Hilfe gebeten wurden. Wir möchten außerdem darauf hinweisen, dass die hier genannten Toleranzen sich am ehesten für die Bewertung fertiggestellter Bauwerke (z.B. Toleranzen für das Setzen und Ausführen einer Betonplatte) als für die Bewertung eines fertigen Produkts eignen (z.B. Toleranz für die Herstellung von Wandfliesen).

(*) Unternehmen des Bauwesens können sich kostenlos über eine große Zahl von Normen des NBN informieren.