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Funktionalität und Optik, zwei wichtige Elemente

Die Maßtoleranzen und die Optik der Schreinerarbeiten im Innern und außen haben große Bedeutung und dies nicht nur aus funktionellen Gründen, wie z.B. Abdichtung gegen Wasser durch die Schreinerarbeiten außen, sondern auch aus ästhetischen Gründen. Schreinerarbeiten sind ein Teilbereich der Fertigstellung und ihnen muss daher unter Berücksichtigung der Herstellungs- und Verlegungstoleranzen große Aufmerksamkeit zukommen.
Dieser Artikel behandelt die wichtigsten belgischen Referenzdokumente, die sich mit den Herstellungs- und Ausführungstoleranzen und den optischen Kriterien von Schreinerarbeiten sowie den Abweichungen hinsichtlich dieser Toleranzen beschäftigen. Eine Unterscheidung wird hierbei zwischen Schreinerarbeiten im Außenbereich (z.B. Fensterrahmen) und im Innenbereich (Parkett oder Innentüren, …) gemacht.

Wir kommentieren auch die Vorschriften, die in die Vertragsdokumente aufgenommen werden könnten, um Missverständnisse bei der Abnahme der Bauwerke zu vermeiden. Die so genannten Tore ‚für Waren und Fahrzeuge’, die in Industrie-, Gewerbe- und Werkstattkomplexe eingebaut werden, werden in diesem Artikel nicht behandelt.

1. Referenzdokumente

Es ist generell möglich, zwischen Maßtoleranzen und Kriterien zu unterscheiden, die in Bezug zur Optik der Bauwerke stehen (siehe Tabelle 1). Die Erstgenannten behandeln hauptsächlich die Abweichungen bei der Herstellung und Verlegung der Elemente, während die zweiten maßgeblich die mit der Optik einhergehenden Eigenheiten von Schreinerarbeiten aus Holz (Astlöcher, Verlauf der Maserung, …) sowie die Farbnuancen von Schreinerarbeiten aus Metall oder synthetischem Material betreffen. Die Toleranzen für die Farbtonvariationen von geschweißten oder eloxierten Elementen werden ihrerseits im Artikel 'Der Untergrund ist entscheidend' dargestellt, der sich mit Malerarbeiten beschäftigt.

Tabelle 1 Referenzdokumente nach Toleranzart.
Toleranzart Schreinerarbeiten außen Schreinerarbeiten innen
Maßtoleranzen
  • NBN EN 1529, NBN EN 1530, NBN B 25-002-1
  • STS 52.1, STS 52.2, STS 52.3, STS 53.1
  • TI 127, TI 188
  • Vorschriften Aluminium Center Belgium
  • NBN EN 1529, NBN EN 1530, NBN EN 13226, NBN EN 13489
  • STS 53.1
  • TI 198TI 218
Optische Kriterien
  • NBN EN 942, NBN EN 14220
  • STS 52.1, STS 52.2, STS 52.3
  • Vorschriften ‘Qualicoat’ für Lackierungen und ‘Qualanod’ für Eloxierungen
  • NBN EN 942, NBN EN 14221

2. Toleranzen

2.1. Parkett

Zunächst muss daran erinnert werden, dass Holz ein sehr saugfähiges Naturmaterial ist, d.h. dass es seinen Feuchtigkeitsgehalt an die Bedingungen anpasst, in denen es liegt (relative Luftfeuchtigkeit der Umgebung, Baufeuchte im Untergrund, …). Mit der Anpassung gehen auch Abmessungsschwankungen einher (Biegen, Zusammenziehen oder Ausdehnen des Parketts), deren Ausmaß wesentlich vom Umfang der Schwankungen im Feuchtigkeitshaushalt des Holz abhängt. Es empfiehlt sich daher zu berücksichtigen, dass die nachfolgend für Parkett genannten Maßtoleranzen, aber auch jene für Türen, nur dann anzuwenden sind, wenn der Feuchtigkeitsgehalt im Holz innerhalb angemessener Grenzen bleibt. Tabelle 2 greift weitere Anforderungen in Bezug auf das Verbiegen in der Breite der Dielen (Cup) vor Verlegung auf. Man muss sich dessen bewusst sein, dass ein massiveres Verbiegen nach dem Verlegen auftreten kann, vor allem wenn das Holz zahlreichen Maßvariationen unterliegt.

Tabelle 2 Anforderungen für das Verbiegen in der Breite der Parkettdielen.
Art der Holzverkleidung Cup (% der Breite)
Bretter, Parkett mit Nut und Feder ± 0,5 % Planche cintrée (cup)
Mehrlagiges Parkett, Verkleidung von Furnierböden ± 0,2 %

Bezüglich der Ebenheits- und Niveautoleranzen eines Parketts, gehen wir prinzi­piell davon aus, dass sich bei verklebtem oder schwimmendem Verlegen die Maßabweichungen des Untergrunds auf die Verkleidung auswirken. Wir möchten deshalb hier auf den Artikel verweisen, der sich mit Estrich beschäftigt, dem gebräuchlichsten Untergrund für Parkett.

Die Herstellungsabweichungen der Elemente sowie die unvermeidbaren Deformationen, die mit den Schwankungen im holzeigenen Feuchtigkeitshaushalt einhergehen, haben zur Konsequenz, dass die Fugenöffnungen zwischen den Brettern oder Dielen variieren können (siehe Tabelle 3). Die möglichen Abweichungen auf die Maße der Bretter werden in den entsprechenden Normen dargestellt (z.B. NBN EN 13226 für Parkett mit Nut und Feder und NBN EN 13489 für mehrlagiges Parkett).

Tabelle 3 Ausführungstoleranzen.
Bodentyp Maximal zulässige Fugenbreite
Mittelwert Maximal pro Fuge
Verklebt 1,0 %/l (*) 1,5 %/l (*)
Vernagelt 1,5 %/l (*) 2,0 %/l (*)
Schwimmend verlegt 1 mm 2 mm
(*) l = Breite der Bretter.

Bezüglich der optischen Kriterien der Parkettdielen (sichtbare Astlöcher, Kratzer, …) kann auf die Normen NBN EN 13226 und 13489 sowie für Massivholz-Lamparkett auf die Norm NBN EN 13227 zurückgegriffen werden. Die in diesen Normen verwendeten Klassifizierungen finden sich in der belgischen Praxis allerdings selten wieder. Man greift hier meist auf nachfolgende Bezeichnungen zurück: Diese Bezeichnungen ergeben sich hauptsächlich aus der mehr oder weniger hervorgehobenen Farbtonvariation, der Sägung der Dielen und dem Auftreten von klebenden oder morschen Astlöchern. Bei Eichendielen muss man beispielsweise wissen, dass die Farbtonva­riationen typischerweise auftreten und häufig nachgefragt werden, um den natürlichen Charakter des Belags zu unterstreichen. Für nähere Informationen hinsichtlich der Eigenheiten der erlaubten Optik verweisen wir auf die entsprechenden Normen sowie auf die TI 218.

2.2. Fenster- und Türrahmen

Die Herstellungs- und Verlegungstoleranzen von Schreinerarbeiten im Außenbereich werden in einem im WTB-Kontakt 2008/3 veröffentlichten Artikel ausführlich behandelt. Sie basieren im Wesentlichen auf den durch die STS 52 und STS 53 definierten Klassen. Diese Toleranzen finden auch für Innentüren Anwendung.

Hinsichtlich der optischen Kriterien dürfen die Schreinerarbeiten aus Metall und PVC in geschlossener Position keinerlei mechanische Verformung, Bläselungen, Flecken, Kratzer oder sonstige Defekte bei einer Kontrolle aufweisen, die aus 2 m Abstand, senkrecht zur Oberfläche und bei diffusem Licht (bedeckter Himmel draußen und ohne künstliche Beleuchtung innen) durchgeführt wird. Bei Oberflächen, die erst nach dem Öffnen sichtbar werden, sind Mängel insofern akzeptabel, als sie kein funktionelles Problem darstellen.

Die Farbtonnuancen der PVC-Profile im Vergleich zu der im Sonderlastenheft spezifizierten Referenzfarbe werden mit Hilfe eines Kolorimeters gemessen und müssen mindestens den in Tabelle 4 dargestellten Empfehlungen entsprechen.

Tabelle 4 Empfehlungen für Farbtonnuancen bei PVC-Profilen.
Messzeitpunkt Weißes PVC-Profil Farbiges PVC-Profil
Bei Lieferung ∆ELab ≤ 1,0
∆L ≤ 1,0 ∆a ≤ 0,5 ∆b ≤ 0,8
∆ELab ≤ 3,0
Farbstabilität nach natürlicher Alterung von 2 Jahren ∆ELab ≤ 1,0 (*) ∆ELab ≤ 3,8
(*) Die STS 52.3 geben keinerlei Empfehlung für weißes PVC. Alterungstests im Labor mit aktuellen Profilmodellen haben jedoch keine Farbtonvariationen aufgewiesen, wodurch nach unserer Einschätzung die Verwendung eines Kriteriums, das dem bei Lieferung entspricht, möglich ist.

Die optischen Kriterien für Holzschreinerarbeiten sind in der Norm NBN EN 942 klassifiziert. Diese beschreibt die Grenzwerte für die Eigenheiten von Holz für Schreinerarbeiten in Bezug auf die vereinbarte Optikklasse. Die Normen NBN EN 14220 und 14221 legen ihrerseits die Basisanforderungen für Holz fest, das sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich (mit der Ausnahme von Parkett) genutzt wird. Es handelt sich hierbei um Klassen, die durch die Norm NBN EN 942 definiert sind. Sie unterscheiden die so genannte ‚sichtbare‘, ‚verborgene‘ (d.h. in geschlossener Position nicht sichtbare) und ‚unsichtbare‘ Fläche je nach Art der geplanten Fertigstellung (siehe Photo). Bei Holz, das in einer Schreinerei verarbeitet wird und das für eine abdeckende Endbearbeitung (z.B. Anstrich) vorgesehen ist, muss man weniger anspruchsvoll bezüglich der holzeigenen optischen Eigenschaften sein. Diese Anforderungen müssen jedoch auf nationaler Ebene festgelegt werden und müssen in Anlagen aufgeführt sein, was allerdings bis heute noch nicht der Fall ist.
Schreinerarbeiten im Außenbereich mit transparenter Endbearbeitung.


Allgemein ist es wichtig, die Eigenheiten in ihrer Gesamtheit zu betrachten, d.h. unter Berücksichtigung des funktionellen Charakters des Elements (z.B. Luft- und Wasserdichtigkeit) sowie der Eigenschaften der später aufgetragenen Endbearbeitung. Bei Abweichungen an der Holzmaserung (siehe Photo) muss zunächst geprüft werden, ob dies nicht zu Verformungen führen kann, die möglicherweise die Luft- und Wasserdichtigkeit des Bauelements beeinflussen.

Die STS 52.1 präzisieren die Eigenheiten, die für äußere Fensterrahmen berücksichtigt werden können, indem sie sich auf die Klassifizierung der Norm NBN EN 942 beziehen. Sie listen auch die Mängel auf, die nicht tolerierbar sind. Diese können zum Gegenstand von Reparaturen werden, insofern diese möglich und in den Vertragsdokumenten vorgesehen sind.

3. Vorschriften der Vertragsdokumente

Zu den Themen Maßabweichungen und optische Eigenschaften muss das Sonderlastenheft die Dokumente nennen, an denen man sich orientieren sollte. Bei Parkett ist es angezeigt, die Wahl zu benennen, der die optischen Eigenheiten der Dielen entsprechen müssen und in jedem Fall die Farbtonvariationen zu berücksichtigen, die der Natur des Materials häufig innewohnen.

Wenn Bezug auf die technischen Spezifika­tionen STS genommen wird, empfiehlt es sich, die gewünschten Maßtoleranzklassen zu präzisieren und dabei die funktionellen Eigenschaften des Elements zu berücksichtigen. Ist es im Fall von PVC-Profilen gewünscht, die Farbtonabweichungen bei Lieferung und/oder nach Alterung zu begrenzen, so muss die chromatische Referenz der gewünschten Farbe im Sonderlastenheft erwähnt werden.

Für die optischen Eigenheiten von Holzschreinerarbeiten kann auf die Normen NBN EN 942, 14220 und 14221 verwiesen werden. Es empfiehlt sich in diesem Fall, die minimalen Eigenschaftsklassen zu präzisieren, die im Hinblick auf die vorgesehene Endbearbeitung erforderlich sind. Aufgrund fehlender Spezifikationen erscheint es uns als gängig, dass die am wenigsten strenge Klasse (J50) angewendet wird, insofern die optischen Eigenheiten die funktionellen Eigenschaften der Schreinerarbeit (z.B. Luft- und Wasserdichtigkeit durch größere Verformungen) nicht beeinträchtigen und keinen unzureichenden Zustand für die Durchführung der Enbearbeitung darstellen.